Die Kaiowá bilden eine Untergruppe der insgesamt etwa 60.000 Guarani. Die aktuelle Bevölkerungszahl der Guarani-Kaiowá des Bundeslandes Mato Grosso do Sul wird auf circa 30.000 Menschen geschätzt. Damit gehören sie zur größten indigenen Ethnie Brasiliens.

Nach der Amtsenthebung der Präsidentin Russeff, ein De-facto-Staatsstreich, hat die neue Regierung die Rechte des Volkes angegriffen, die in den letzten 80 Jahren errungen wurden. Ein Großteil des Parlaments ist mit einer starken Agrobusiness-Lobby vereint. Der Nationalkongress plant, die indigenen Gebiete in Brasilien mit dem Gesetzesentwurf für die Verfassungsänderung 215 (PEC 215) drastisch zu reduzieren, was die derzeitig zugewiesenen indigenen Ländereien von einem Ausmaß von 13% des brasilianischen Staatsgebiets auf ein Ausmaß von 2,6% verringern, sowie weitere Abholzung, Kriminalisierung und Tötung von indigenen Menschen in ihrem traditionellen Lebensraum vorantreiben würde.

Heutzutage prägen Hunger, Unterernährung, Selbstmorde und Morde an indigenen AktivistInnen des Lebens der Guarani-Kaiowas. Die Konflikte zwischen den Guarani-Kaiowá und der Agrarwirtschaft verschärft sich immer mehr in Mato Grosso do Sul.  

Brasilien erlebt gerade einen seiner schlimmsten Augenblicke der letzten 30 Jahre. Brasilien ist einer Regierung ausgesetzt, welche die Regierungsgewalt nach einem De-facto-Staatsstreich erlangte und die Rechte der brasilianischen Menschen angreift, Rechte, die in den letzten 80 Jahren errungen wurden. In Bezug auf den Kampf und den Widerstand der Indigenen Völker bedeutet das, dass die derzeitige Regierung ihr Leben direkt angreift, quer durch die unterschiedlichen Staatsgebiete. Die Vorgehensweisen und Handlungsschemata, die von den Großgrundbesitzern und der Bourgeoisie entwickelt wurden und die sich in den drei Säulen der Macht – der Legislative, der Exekutive und der Justiz – widerspiegeln, drohen die derzeit schon geringen Rechte, die von den Indigenen Völkern errungen wurden, weiter zu reduzieren, insbesondere die Bundesverfassung von 1988.

Von den 594 Mitgliedern des Parlaments, die den Congresso Nacional (Nationaler Kongress) ausmachen, sind 207 in einer starken Agrobusiness-Lobby vereint. Diese Lobby setzt vielen Rechten, die durch die Verfassung von 1988 erobert wurden, ein Ende, indem sie Gesetzesentwürfe und Verfassungsänderungen verabschiedet, welche die mehr als 300 in Brasilien existierenden Indigenen Völker unter Anklage stellt.

Wir wissen nicht, wie sich die Dinge in unserem Land in der Zukunft entwickeln werden, weder für die Indigenen Völker, die in ihrem traditionellen Umfeld leben, noch für diejenigen, die sich im urbanen Raum wiederfinden. Was die Umweltzerstörung anbelangt, so hat die Abholzung in Brasilien laut dem Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (Nationales Institut für (Lebens-)Raumforschung – INPE) im Jahr 2015 an die 5.800km erreicht, ein Gebiet in der Größe von Palästina (5.660 km[1] in der West Bank, plus 360 km2 am Gazastreifen).[2]

Im selben Jahr sind laut dem Conselho Missionário Indigenista (Indigenistischer Missionsrat – CIMI), 137 Indigene in Brasilien umgebracht worden. Von diesen Verbrechen wurden 36 im Bundesstaat Mato Grosso do Sul vorwiegend gegen Guarani Kaiowá verübt worden.2

[1] CIMI – Conselho Indigenista Missionärio. Available at: <www.cimi.org.br/site/pt- br/>. Accessed in Dec. 2016.

[2] INPE – Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais. Available at: <www.inpe.br>. Accessed in Dec. 2016.

Quelle:

  • Eliane Fernandes Ferreira (2002). Indigene Ethnien Brasiliens – Ihr Kampf um Land, Recht, soziale Anerkennung und ihr ethnisches Selbstwertgefühl. Eine Untersuchung zur aktuellen Lage der Indigenen Brasiliens. Münster: LIT Verlag. 
  • Einführungsbrief  von Tribunal Popular – Brasilien
  • Brasiliexs Demokratie – Deutschland

 

Präsentation von Ladio Veron – März 2017

 

 

 

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